#CAMP

Thementrack 4 - session 1

Verwertungsgesellschaften + Rechtemanagement - Wolfgang Senges, John Weitzmann

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Frage: "Wie kann Musikverwertung den neuen Regeln der digitalen Welt angepasst werden?"


Zuerst wurde klargestellt, dass Creative Commons weder das Urheberrecht ersetzt noch aktiv bei der Rechtewahrnehmung hilft.

Dann wurde einmal mehr deutlich, dass alternative Lizenzmodelle mit all jenen Verwertungsgesellschaften inkompatibel sind, die auf Exklusiv-Vertretung aufbauen.

Aus Sicht der Künstler zählen zwei Dinge (in individuell unterschiedlicher Gewichtung natürlich):
- Respekt ihres Tuns
- Vergütung für Werte, die sie schaffen


Danny Bruder:

Wir haben erfahren, was Künstler u. U. dazu bewegen kann, aus der GEMA auszutreten (oder gar nicht erst hineinzugehen):

Die fehlende Möglichkeit eigener Lizenzierung verbietet es, neue Mechanismen des Netzes auszuprobieren und zu nutzen. Es geht dabei um Entscheidungsfreiheit und Selbstbestimmtheit.

Sogar auf künstlerischer Ebene wird eine rechtliche Trennlinie gezogen, weil CC-Verwender entweder gar nicht mit GEMA-Mitgliedern zusammen komponieren/aufnehmen können oder ihre Mitwirkung verleugnen müssen.

Die Mitbestimmungsstrukturen in der GEMA (5% mit Stimmrecht, 10% nur über Repräsentanten, 85% ohne Stimmrecht) verhindert eine Berücksichtigung von Optionen wie eigene CC-Lizenzierung, die nur für eine Minderheit interessant sind.

Ideal wäre ihm zufolge eine Welt, in der die einzelnen Künstler direkt durch die Fans und freiwillig unterstützt würden.

Vorschlag: Unterschiedliche Wahrnehmungsverträge für die unterschiedlichen Mitgliedergruppen.


GEMA:

"Alles wird auf den Tisch gelegt und das gesamte System der kollektiven Wahrnehmung in Deutschland zur Diskussion gestellt"

"GEMA mag nicht mehr hip oder sexy sein, ist aber lernfähig und -willig"

"Mit CC-Lizenzen hat man sich bei der GEMA beschäftigt, versteht aber das Modell noch nicht vollständig. Wie soll mit freien Lizenzen Geld verdient werden?"

"Auch gesetzlich (WahrnG) bedingt ist die GEMA nicht so flexibel, wie sie gerne wäre" (Stichwort Mitgliederklassen...)


Großes Thema GEMA-Vermutung:

Ausgangspunkt ist die noch immer bestehende Annahme, dass es auf nationaler Ebene eine faktische Vertretnung des gesamten Weltrepertoires durch die jeweilige nationale Gesellschaft gibt.

Markteintrittsbarriere für alle, die sich dem bestehenden Wahrnehmungssystem nicht unterordnen wollen.

Zugleich sehr wichtiger Pfeiler der Inkasso-Arbeit der GEMA. Ohne sie droht "Katz-und-Maus-Spiel" beim Einziehen der Vergütungen.

aber auch Grundlage des Geschäftsmodells "Versicherung gegen GEMA-Inkasso"

Ob sie bestehen bleibt und ggf. wie lange noch, ist nicht zuletzt auch davon abhängig, wieviel Repertoire (das auch nachgefragt/gespielt wird) sich dauerhaft außerhalb der Kataloge der Gesellschaften ansiedelt.


Großes Thema individuelles Opt-Out:

Einige Gesellschaften (USA) sind schon gar nicht auf Exklusivität gegründet

andere (z.B. australische APRA, dänische KODA) bieten inzwischen werkweise Rückübertragung der Rechte an den Künstler an (was zu alternativen Lizenzsystemen passt)

die GEMA kann nur die Ausnahme bestimmter Nutzungsarten von der Wahrnehmung anbieten (was nicht zu alternativen Lizenzen passt, die grundsätzlich alle Nutzungsarten einschließen)

Idee hinter dem Alles-oder-Nichts der GEMA ist (auch) die Solidarität, die Querfinanzierung des erfolglosen Repertoires durch das erfolgreiche.

Es wurde aber eingeräumt, dass der Begriff "Cherry Picking" für das Herausnehmen einzelner Werke zur Freigabe über alternative Lizenzen nicht wirklich passend ist. Die GEMA sieht darin dennoch eine Schädigung des Systems (Bezug zum Thema GEMA-Vermutung).


Weiteres Thema Mitbestimmung innerhalb der GEMA:

GEMA sagt: Newcomer sind bei den Ausschüttungen überrepräsentiert, es erfolgt also eine Umverteilung von oben nach unten zugungsten des Nachwuchses.

Aus Sicht des Neulings ist das Mitbestimmungsmodell sehr unübersichtlich. Die Interessen kleiner Bands fallen zumindest gefühlt oft durchs Raster, die Bürokratie hat demgegenüber ein oft erdrückendes Gewicht.


Ergebnisse:

- Alle waren sich einig, dass die traditionsreichen Wahrnehmungsmechanismen (es fiel: "Dinosaurier") verändert werden müssen, wenn sie nicht zunehmend obsolet werden sollen. Letzteres würde zu einem sehr harten Schnitt für die Künstler führen.
- Ebenfalls Einigkeit, dass sich etwas ändern wird (einige warten noch ab, andere werden aktiv wie Danny Bruder). Prognose von John Watts: In 5 Jahren sind die klassischen VG kollabiert.
- Kompatibilität von alternativen Lizenzmodellen und kollektiver Wahrnehmung durch Verwertungsgesellschaften ist theoretisch herstellbar, in der Praxis stehen dem aber noch diverse Dinge im Wege, von der Gesetzeslage über die bestehenden Mitbestimmungsstrukturen bis zur Urheberrechtsmündigkeit der Künstler selbst.
- Die Gründung eigener Verwertungsstrukturen für jedes alternative Lizenzmodell wäre denkbar, aber die schlechtere Wahl gegenüber einer Integration in die Arbeit der bestehenden Verwertungsgesellschaften.
- Die privatwirtschaftlichen Content-Sammler wie Jamendo sehen sich in der Lage, ggf. auch neben modernisierten Verwertungsgesellschaften zu existieren
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Last changed by John Weitzmann on 18/09/2009 at 14:09

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