Thementrack 3 - session 4
Thementrack 3 - session 4
Neue Finanzierungsstrategien für Musik - Björn M. Braun
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++Das klassische Finanzierungsmodell in der Popmusik - Band wird entdeckt, Label/Verlag finanziert Albumproduktion, Vermarktung, Tournee etc. - greift heutzutage nur noch in den wenigsten Fällen. Drei alternative Perspektiven wurde im Rahmen dieser Session unter der Leitung von Björn M. Braun vorgestellt, wobei die beiden Musiker der britischen Band Georgia Wonder eigentlich eher eine ganze Reihe von Ideen in den Raum warfen.
Stephanie Grant und Julian Moore bilden das Folk-Duo Georgia Wonder. Um ihre Musik einem breiteren Publikum bekannt zu machen, taten sie zunächst einmal etwas sehr Naheliegendes: Mit einer kleinen Kamera nahmen sie in Eigenregie ein Video auf, das schlicht die Sängerin zeigt, wie sie den dazugehörigen Song vorträgt. Mit Glück und etwas Hilfe prominenter Freunde gelang es ihnen, damit in kürzester Zeit 50.000 Hits auf Youtube zu verzeichnen. So weit so gut. Exotischer war da schon die Aktion, eine kleine Auflage von CDs nach dem Vorbild des Bookcrossing auf Reisen zu schicken mit dem Vermerk, man möge dafür sorgen, dass diese nach dem Anhören auch weiterhin in Umlauf blieben. Ein regelrechter Clou - wenn auch juristisch relativer Irrsinn - war dann der Einfall, Studiozeit in London zu erkaufen, indem sie dem Studiobetreiber Anteile an den Songrechten abtraten. Ihre CD veröffentlichten sie schließlich auf Frostwire, einem Filesharing-Client wodurch sie sich für immerhin eine Woche auf Platz 14 der meist heruntergeladenen Alben weltweit positionieren konnten. All das funktionierte natürlich unter anderem nur durch die Lizensierung unter Creative Commons. Gitarrist Julian Moore fasste zusammen, man müsse versuchen kreative Wege zu gehen und für potenzielle Helfer und Förderer Synergien (Win-win-Situationen) aufzuzeigen.
Gerrit Schumann versucht dagegen mit seiner jungen Firma Music Networx aus dem gewachsenen Interesse an Live-Musik und den neuen technischen Möglichkeiten Kapital zu schlagen: Mit einem mobilen Aufnahmestudio können Bands ihre Auftritte mitschneiden lassen, die Aufnahmen werden dann unmittelbar nach dem Gig Form von USB-Sticks oder Download-Lizenzen an die Zuschauer verkauft. Zu ihren bisherigen Kunden zählten schon Bands wie Madness oder die Ärzte - letztere gaben für ihre Fans eigens einen USB-Stick in Form des Maskottchens Gwendoline in Auftrag.
Sessionleiter Björn M. Braun geht mit seinem Geschäftsmodell sogar noch radikalere Wege. Sellyourrights heißt hier das Motto und genau darum geht es auch: Anstatt auf Einnahmen aus Tantiemen und Verkäufen zu hoffen, sollen Musiker den umgekehrten Weg beschreiten und zunächst einmal festlegen, wie hoch ihre Einnahmen sein müssen, damit sie einen bestimmten Song überhaupt veröffentlichen. Der potenzielle Hörer bestimmt anschließend seinerseits, wie viel er zu zahlen bereit ist, und sobald die geforderte Summe zusammengekommen ist, wird das Stück veröffentlicht und ist danach frei über das Internet verfügbar. Braun geht davbei davon aus, dass sich so auch Käufer finden lassen, deren Eintrittsschwelle von einem festen Kaufpreis überschritten würde. Ein interessantes Konzept, das sicherlich noch einige Fragen offen lässt und das in seiner Form an andere vernetzte Finanzierungsmodelle erinnert, wo ebenfalls die potenziellen Endverbraucher sozusagen in Vorleistung gehen und ein Produkt bezahlen, das sie noch nicht haben können oder das sogar noch nicht einmal existiert. Für manche kleine Band und manches Projekt mag ein derartiges Modell durchaus zum Durchbruch führen.
Last changed by Christine Kolbe on 17/09/2009 at 18:48
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