Thementrack 2 - session 5
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Netlabels als wesentlicher Baustein der Independent Musikszene - Raimund Reintjes
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++Unter dieser etwas provokativen Überschrift bot der Initiator des Netaudio-Festivals Raimund Reintjes einen kurzen Überblick über die noch relativ junge Netlabel-Szene. Ihm zur Seite standen dabei die Netlabel-Betreiber Ronny Kraak Das Kraftfuttermischwerk, Timor Kodal Pulsar Records und Volker Tripp d.eology.
Netlabel bieten eine Online-Plattform für Musiker und arbeiten meist mit eigenen Webseiten, auf denen sie die von ihnen vertretenen Künstler präsentieren. Im Gegensatz zu den einschlägigen Communitys, auf denen sich Musiker selbst darstellen und ihre Songs hörbar machen können, leisten sie einiges an Arbeit, was sonst zum typischen Aufgabenfeld eines Labels gehört, vornehmlich in den Bereichen A'n'R und Promotion, mitunter aber selbst solche Dinge wie Vertrieb, Produktion und Booking.
Die meisten Netlabel-Betreiber sind nach wie vor Enthusiasten, die eher noch in ihre Leidenschaft investieren, als daraus Gewinn schlagen zu wollen. Im Vordergrund steht die Begeisterung für die Musik, und demenstprechend grenzt man sich klar gegen die Produkt-orientierte Vorgehensweise der großen Plattenfirmen ab und beruft sich auf die "absolute Freiheit", die mit den geringen Betriebskosten einhergeht.
Interessant ist, dass solche Label wie Kraftfuttermischwerk abgesehen von digitaler Veröffentlichung eher noch Vinyl-Auflagen herausbringen als CDs. Da Netlabels nach wie vor in erster Linie elektronische Musik vertreiben und damit auch viele DJs zu ihren Kunden (und Künstlern) zählen, steht die Schallplatte ganz klar höher im Kurs als die fast schon wieder obsoleten Silberlinge. Dennoch stellen Platten eher ein Promo-Tool dar: Laut Ronnie Kraak steht eine Vinylauflage von fünfhundert Exemplaren einer Download-Anzahl von fünf- bis zwanzigtausend gegenüber.
Durch ihren nichtkommerziellen Ansatz sind Netlabel als Trendscouts und Pioniere für den entsprechenden Independent- (und gelegentlich auch Major-) Markt von großem Interesse. Aber genau dadurch laufen sie natürlich Gefahr, dass ihnen ihre Künstler im Erfolgsfall weglaufen, weil sie anderswo mehr Unterstützung und vor allen Dingen mehr Geld wittern. Und genau deswegen wird sich mancher Netlabel-Betreiber wohl auf lange Sicht fragen müssen, bis wohin der reine Enthusiasmus reicht und ab wann man anfangen muss in Geschäftsstrukturen zu denken, um sich die vielbeschworene Freiheit auch auf Dauer zu bewahren.
Last changed by Siddhartha Ché Peghini on 19/09/2009 at 16:35
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